Die 5 Sprachen der Liebe in der Familie

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Wir alle blühen auf, wenn wir uns von Menschen geliebt wissen, die uns viel bedeuten. In liebe- und vertrauensvollen Beziehungen erleben wir Freude und Bestätigung und gehen daraus gestärkt an die Heraus-forderungen des Lebens heran. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie Ihre Wertschätzung und Liebe Ihrem/r Partner/in und Ihren Kinder so ausdrücken können, dass sie bei ihnen auch spürbar ankommem und Sie auf diese Weise einen bedeutenden Beitrag zum "emotionalen Klima" in Ihrer Familie leisten können.


Jeder Mensch hat seine ganz persönliche Art, Liebe zu zeigen und anzunehmen. Chapman und Campell (2014) beschreiben fünf Kategorien bzw. sog. "Liebessprachen", durch die wir unsere Liebe zum Ausdruck bringen können: (1) Körperkontakt, (2) Worte des Lobes und der Anerkennung, (3) Zeit zu zweit, (4) Geschenke und (5) Hilfsbereitschaft. Die Kenntnis dieser Liebessprachen kann unsere Beziehungen verändern. Wenn wir beim anderen die Sprache entdecken, die ihn von diesen fünf gefühlsmäßig am meisten anspricht ("Muttersprache der Liebe"), wird er sich geliebt und geborgen fühlen und es wird Ihre Beziehung zueinander stärken. "Ich liebe dich" klingt dann so, dass Ihr/e Partner/in oder Ihr Kind es auch tatsächlich so erleben können.

 

Unser Problem ist, dass wir von Natur aus dazu neigen, unsere eigene Sprache der Liebe zu sprechen. Praktisch heißt das, dass wir anderen unsere Liebe so zu vermitteln versuchen, wie wir sie selbst am meisten empfinden würden. Aber wenn andere nicht die gleiche Muttersprache sprechen wie wir, bedeuten ihnen all unsere Liebesbeweise nicht das, was sie umgekehrt uns bedeuten würden. "Wenn er mich liebte, würde er mir doch mal helfen! Er sagt zwar, er liebt mich, aber wenn er mich wirklich lieben würde, würde er doch etwas tun! Ich tue für ihn alles, er tut für mich nichts!" So in etwa klingt es in vielen frustrierenden Partnerschaften.

 

Auch manche Kinder fühlen sich von ihren Eltern nicht geliebt - und das nicht etwa, weil ihre Eltern sie wirklich nicht lieben, sondern weil die Eltern nie gelernt haben, die Sprache ihres Kindes zu sprechen.

Wenn wir erreichen wollen, dass der Mensch, den wir lieben, sich wirklich geliebt fühlt,

müssen wir seine Muttersprache der Liebe herausfinden und lernen, diese zu sprechen.

Chapman & Campbell

Im folgenden erläutere ich die fünf Liebessprachen genauer. Erst wenn Sie diese kennen, werden Sie in der Lage sein, Ihrem/r Partner/in und Ihrem Kind genau jene Sprache zuzuordnen, durch die sie Ihre Liebe am eindeutigsten vermittelt bekommen. Bitte denken Sie jetzt nicht, dass sie immer nur die erste Liebessprache der Person sprechen müssen. Liebe kann und soll in allen fünf Sprachen vermittelt werden. Aber wenn Sie die erste Sprache des anderen nicht sprechen, wird er sich nicht ausreichend geliebt fühlen, auch wenn Sie alle anderen sprechen.

Körperliche Nähe und Zärtlichkeit


Zahlreiche Studien belegen, dass Babys, die auf den Arm genommen werden und viel Zärtlichkeit erfahren, sich später zu emotional stabileren Kindern entwickeln als jene, die lange Zeit ohne Berührungen auskommen müssen. Körperliche Nähe ist in jeder Altersstufe ein grundlegendes Bedürfnis und gilt als Ausdruck der Liebe und Wertschätzung. Wenn wir einem Menschen, den wir lieben, die Berührungen vorenthalten, nach denen er sich sehnt, fühlt er sich schnell einsam und beginnt, an unserer Liebe zu zweifeln.

Arten von Berührungen

  •  Unscheinbare Berührungen: Diese erfolgen eher beiläufig wie z. B. dem anderen kurz über den Kopf oder den Rücken streichen, auf die Schultern klopfen u. ä. - haben aber vor allem für einen Menschen mit dieser Muttersprache eine besondere Bedeutung.

  • Einfühlsame Berührungen: sind z. B. den anderen in den Arm zu nehmen, das Kind auf den Schoß zu nehmen und ein Küsschen zu geben, den Rücken zu kraulen, die Schultern zu massieren, aber ebenso spielerische `Ringkämpfe` zwischen Vater und Sohn. Insbesondere wenn die Person gerade eine schwierige Zeit erlebt, kann eine liebevolle Umarmung heilsam sein und die Botschaft übermitteln: Ich bin für dich da. Ich fühle mit dir.

 

In diesem Bereich ist eine hohe Sensbilität unsererseits geboten, denn für manche ist die von uns gut gemeinte liebevolle Ausdruckform vielleicht ungewöhnlich und befremdlich. Möglicherweise hat die andere Person diese Form der Zuneigung in ihrer Kindheit nie bekommen oder hat gerade im körperlichen Bereich Verletzungen wie Missbrauch oder Misshandlung erfahren.

Worte des Lobes und der Anerkennung


Wir alle werden von Worten und Bemerkungen geprägt, die uns über die Jahre gesagt worden sind. Worte haben Macht. Daher ist es naheliegend, dass eine der Sprachen der Liebe mit verbalen Liebesbezeugungen zu tun hat.

 Ehrlich gemeintes Lob und Anerkennung bringen das Selbstwertgefühl besonders von Kindern, aber genauso von unserem/r Partner/in zur Entfaltung. Solche wohlgemeinten, wertschätzenden Worte sind schnell gesagt, bleiben aber dem anderen oft lange Zeit im Gedächtnis.

Es kommt aber nicht nur darauf an, was wir sagen, sondern auch wie wir es sagen. In dem Sprichwort "Der Ton macht die Musik" liegt viel Wahres. Die Menschen um uns herum hören für gewöhnlich eher auf unseren Ton als auf die Worte, die wir gebrauchen. Ein und derselbe Satz kann in unterschiedlicher Tonlage ganz anders aufgefasst werden - als Ausdruck der Liebe oder als sarkastische Bemerkung.


Ausdruck der Liebe durch Worte...

  • der Dankbarkeit, Bestätigung und Anerkennung: dadurch bringen wir unsere Freude für etwas, das der andere getan hat, zum Ausdruck, z. B. "Ich bin stolz auf dich."
  • der Ermutigung: in jemanden den Mut wecken, sich etwas zuzutrauen, z. B. "Wenn du noch einwenig übst, wirst du es schaffen."
  • des Lobes: anerkennen, was jemand geleistet hat; wir brauchen alle ab und zu jemanden, der uns auf die Schulter klopft und sagt: "Das ist super! Das ist wirklich gut. Du hast es toll hingekriegt!"

 

Beschimpfungen, z. B. aus einem Wutanfall heraus, bewirken das Gegenteil und insbesondere Kinder bekommen Zweifel an ihrem Wert. Kinder glauben den Eltern jedes Wort - auch was in starken Emotionen wie in der Wut gesagt wird. Schon lange bevor Kinder Worte verstehen, bekommen Sie durch den Tonfall und den Gesichtsausdruck die emotionale Färbung mit und nehmen so die Atmosphäre zwischen Eltern und Kind wahr. Wir können also Menschen er-mutigen oder ent-mutigen. Beides liegt in unserer Hand.

Zeit zu zweit


Das Bedürfnis nach wirklicher Gemeinschaft ist in uns Menschen tief verwurzelt. Wenn gemeinsam verbrachte Zeit bewusst gestaltet wird, bindet sie Menschen stark zusammen. Zeit zu zweit hat damit zu tun, dass man sich ganz auf den anderen einlässt und alles andere so lange hinten anstellt.

 

Es geht nicht darum, immer etwas "Großartiges" zu unternehmen. Es kann auch sein, dass Sie sich eine halbe Stunde Zeit einplanen, um mit Ihrem Kind z. B. sein Lieblingsspiel zu spielen. Wichtig dabei ist, dass Sie ihm in dieser Zeit wirklich Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit schenken. Wenn eine Mutter z. B.  telefoniert, während sie den Ball auf ihr Kind zurollt, ist sie abgelenkt und das Kind genießt nicht mehr ihre ungeteilte Nähe.

Eine weitere Möglichkeit liegt auch darin, sich bewusst Zeit für ein persönliches Zwiegespräch zu nehmen. Ein Gespräch, in dem Sie mit Ihrem/r Partner/in oder Ihrem Kind über persönliche Dinge sprechen:  was den anderen gerade beschäftigt, wie es ihm wirklich geht, welche Sorgen, Wünsche oder Sehnsüchte er hat. Es geht um vertrauensvolle Gespräche, um den Austausch von Gedanken und Gefühlen und darum, dass man sich ein Stück besser und tiefer kennenlernt.


Sich für die wichtigsten Beziehungen regelmäßig ein solches Zeitfenster einzuplanen bedeutet für viele auch ein gewisses Opfer, besonders wenn der Alltag durch eine Menge an Aufgaben und Pflichten gefüllt ist. Diese Liebessprache ist zeitaufwändiger als z. B. ein Lob oder eine liebevolle Berührung. Doch diese Mühe ist eine der besten Investitionen in die Beziehung zwischen Ihnen und Ihren/r Partner/in sowie Ihrem Kind.

Geschenke


Einander etwas schenken ist eine Sprache der Liebe, die auf der ganzen Welt gesprochen und verstanden wird. Dabei geht es nicht um den materiellen, sondern vor allem um den emotionalen Wert des Geschenkes. Ein Geschenk vermittelt auf spürbare unsichtbare Weise: "Ich war in Gedanken bei dir, als ich es mit Sorgfalt und Liebe ausgesucht habe. Ich habe an dich gedacht und wollte dir eine Freude bereiten."

 

Ein richtiges Geschenk ist ein unverdientes Geschenk. Es ist nichts, was man sich verdienen könnte oder müsste. Wenn wir z. B. sagen: "Ich schenke dir …, wenn du …", so handelt es sich dabei nicht um ein Geschenk, sondern um eine Art Tauschhandel. Oder wenn Sie Ihrem Kind etwas schenken, weil es z. B. eine gute schulische Leistung erbracht hat, dann handelt es sich ebenso nicht um ein Geschenk, sondern um eine Belohnung für geleistete Arbeit. Ein echtes Geschenk ist an keine Bedingungen geknüpft, wird ohne Hintergedanken gemacht und erfordert keine Gegenleistung - denn an diesem Punkt würde es aufhören, ein Geschenk zu sein.

Ein Geschenk als Ausdruck unserer Zuneigung soll etwas besonderes bleiben und keine Gewohnheit werden. Wenn ein Kind mit Geschenken überhäuft wird, verlieren sie an Bedeutung. Ein Geschenk soll auch nicht als Ersatz für mangelnde Zuwendung dienen oder zur Beruhigung eines schlechten Gewissens, weil man vielleicht wenig Zeit für das Kind oder den/die Partner/in hat. Außerdem durchschauen Kinder die Absichten von Erwachsenen.


Wichtig ist außerdem, dass es sich um ein Geschenk handelt, das sich der andere wirklich wünscht. Dabei geht es nicht nur um Dinge, die im Geschäft erworben werden. So kann z. B. auch ein besonders geformter Stein liebevoll verpackt etwas sein, dass Ihr Kind zu einem phantasievollen Spiel anregt und ihm zeigt: "Ich habe an dich gedacht und möchte dir diese Besonderheit schenken."

Hilfsbereitschaft


Wir alle haben bestimmte Gaben und Fähigkeiten, die wir einsetzen können, um anderen Menschen weiterzuhelfen.

Unser aufrichtiger Wunsch, dem anderen eine Hilfe zu sein und sein Leben dadurch ein Stückchen schöner zu machen, ist eine Sprache der Liebe.

 

Für Eltern sind die Hilfsangebote für die Kinder meist ein großer Teil der täglichen Routine. Wahrscheinlich nehmen Sie Ihren Beistand und Ihre Hilfe als Selbstverständlichkeit wahr. Für Ihr Kind macht es jedoch einen großen Unterschied, ob es spürt, dass Sie ihm freiwillig mit einer freundlichen Haltung helfen oder dass Sie es widerwillig tun. Besonders Kinder, die diese Sprache als Muttersprache haben, sind dafür sehr sensibel, da es Ihre Hilfe als Zeichen der Zuneigung wahrnimmt.

Dabei geht es nicht darum, dass Eltern ihrem Kind jede Bitte (sofort) erfüllen, sondern darum, mit Liebe auf jede Bitte zu reagieren. Kinder erfahren es als Zeichen Ihrer Liebe, wenn Sie ihnen geduldig bei den Hausaufgaben helfen, bei Krankheit ihre Lieblingssuppe kochen, ihr Fahrrad reparieren, uvm. Für Ihr Kind ist es ein Liebesbeweis, wenn Sie ihm zur Seite stehen. Nehmen Sie Ihrem Kind in der Regel aber nur jene Dinge ab, die es selbst noch nicht alleine schafft.


Wenn Sie für Ihr 4-jähriges Kind das Bett machen, ist dies ein angemessener Hilfsdienst. Wenn Sie es für Ihr 10-jähriges Kind tun, ist es dies nicht mehr. Es geht um Hilfe zur Selbsthilfe, damit Kinder lernen, selbstständig zu werden und Verantwortung zu übernehmen - auch wenn es für Eltern ist oft aufwendiger ist, die Schritte zu erklären als sie schnell selbst zu machen.

Reflexionsbogen: Welche Liebessprache spricht mein Kind?

Nachdem Sie die 5 verschiedenen Ausdrucksformen der Liebe nun kennengelernt haben, stelle ich Ihnen einen Reflexionsbogen als Download zu Verfügung, um anhand dessen die Muttersprache Ihres Kindes herauszufinden.

Download
Test - Liebessprache meines Kindes.pdf
Adobe Acrobat Dokument 36.1 KB

Wenn Sie mehrere Kinder haben, werden Sie vielleicht beobachten, dass Ihre Kinder unterschiedliche Sprachen der Liebe sprechen, denn sie unterscheiden sich ja in ihrer Persönlichkeit. Manche der Fragen können ebenso als Inspiration dienen, um der Sprache Ihres/r Partners/in auf den Grund zu gehen. In Ihrer Partnerschaft wäre es natürlich am einfachsten, wenn Sie - wenn möglich - dieses Thema einfach offen ansprechen und darüber ins Gespräch kommen.

Ich wünsche Ihnen viel Freude auf dieser Entdeckungsreise und bei der Stärkung Ihrer liebevollen Beziehung zu Ihrem/r Partner/in und zu Ihren Kindern!

 

Herzlichst,

Quelle: In Anlehnung an Chapman, G., Campbell, R. (2014), Die 5 Sprachen der Liebe für Kinder, Verlag: francke

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